Offener Brief der Bürgerinitiative [Parktag]

Bürgerinitiative Parktag_Logo

An Herrn
Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh
Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten

Potsdam, den 18. November 2015

Offener Brief zum Bericht der PNN vom 29.10.15, „Dorgerloh rechnet ab“

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dorgerloh,

mit erheblicher Irritation haben wir von Ihrer drastischen Abrechnung in den Potsdamer Neuesten Nachrichten gelesen, in der sie sich bitter über die mangelnde Unterstützung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten durch die Potsdamer Kommunalpolitik und durch die Bevölkerung beklagen.

Für den Generaldirektor einer Stiftung, die öffentliches Eigentum verwaltet, das für die Öffentlichkeit bestimmt ist und nahezu ausschließlich durch Steuergelder unterhalten wird, halten wir diese Art der Auseinandersetzung für absolut inakzeptabel. Statt einer „Publikumsbeschimpfung“ sollten Sie eher die Frage stellen: “Wie und in welcher Form habe ich mit den Politikern und der Potsdamer Bevölkerung kommuniziert?“ Zweifellos, Kommunikation ist nie eine Einbahnstraße, aber Gespräche auf Augenhöhe oder gar einen Dialog, der diese Bezeichnung auch verdient, hat es bisher nicht gegeben.

Selbstverständlich ist viel für die Sanierung der Schlösser und Gärten getan worden, allerdings widerspricht die Form jeglichem demokratischen Verständnis. Entscheidungen werden hinter verschlossenen Türen ohne Rechtfertigung vor der Öffentlichkeit getroffen.

Es gibt keine Informationen, schon gar nicht frühzeitig, über Planungsabsichten für die Öffentlichkeit, keine öffentlichen Diskussionen, kein zeitgemäßes Modell für Öffentlichkeitsbeteiligung, wie öffentliche Vorstellungen der Planungen mit öffentlicher Diskussion in öffentlichen Veranstaltungen, Medien etc., Beteiligungsverfahren in Bürger- und Nutzerbeiräten, stattdessen immer nur die gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach mehr Geld.

Während einerseits extrem aufwändige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, fehlt andererseits die Berücksichtigung einfachster Wünsche und Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher, darunter mehr und bequemere Bänke, mehr WCs, mehr Liegewiesen und Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, bessere Bewirtungsmöglichkeiten. Dass eine der ganz wenigen Liegewiesen unterhalb von Parkplätzen permanent von Abgasen belastet liegt, eine andere hinter WC-Anlagen, zeigt deutlich, welche Wertschätzung den Bedürfnissen der Gäste entgegengebracht wird. Allein die Kosten für die permanenten, sehr teuren Sanierungen von Wegen, die noch gut begehbar sind, mit sogenannten „wassergebunden Decken“ würden ausreichen, die o.g. Wünsche und Bedürfnisse weitgehend zu befriedigen.

Besonders Ihre Polemik gegen die Badestrände im Neuen Garten ist sehr einseitig. Hier herrschen keineswegs chaotische Zustände. Stattdessen gibt es die einzigartige Möglichkeit, die Bedürfnisse eines großen Bevölkerungsteils ohne große Eingriffe in Natur und eine historische Gartenanlage zu befriedigen und dadurch die Popularität Potsdams und der Schlösser und Gärten enorm zu steigern. Hier wird wenigstens einmal Ihre Aufgabe berücksichtigt, auch der Erholung Rechnung zu tragen. Die Eingriffe in die Natur sind gering, weniger als 1% des Schilfgürtels ist betroffen, viel weniger als an den privaten Grundstücken am Heiligen See. Sicherlich ist die Situation mit Müll und Sanitäranlagen unbefriedigend, aber das lässt sich mit vergleichsweise geringen Kosten bewältigen, bei denen sich auch die Stadt Potsdam beteiligen sollte.

Immer wieder beklagen Sie die Missachtung von Regeln, aber wie können Sie das guten Gewissens fordern, wenn Sie selbst Regeln und Gesetze missachten? Ein Fahrradschiebeverbot wird trotz Aufhebung des Verbotes durch ein rechtskräftiges Urteil nach wie vor überall versucht durchzusetzen, rechtsverbindliche Bebauungspläne sind für Sie nur unverbindliche Absichten, Bestimmungen für Behinderte werden ignoriert etc. Stattdessen sind Parkwächter teilweise mit Fahrzeugen der stiftungseigenen Servicegesellschaft auf ebenjenen Wegen unterwegs.

Wir fordern sie deshalb einerseits zur Rückkehr zu preußischen Tugenden auf, werden Sie zum ersten Diener aller Bürgerinnen und Bürger und gehen Sie an Projekte mit preußischer Sparsamkeit heran, so dass ausreichend Gelder mindestens für die unmittelbaren und sehr bescheidenen Bedürfnisse der Besucher vorhanden sind, die Kosten betragen weniger als 1/1000 der von Ihnen gewünschten einen Milliarde Euro.

Andererseits machen Sie sich auf, den Obrigkeitsstaat der Erbauer der Anlagen zu verlassen und gehen Sie demokratisch und bürgernah auf die Potsdamerinnen und Potsdamer zu, wie es im 21. Jahrhundert – mit Ausnahme der Stiftung – weitgehend der Fall ist. Dann wird die Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger für die Schlösser und Gärten auch wieder wachsen. Sie werden sich wieder wie Gäste fühlen, die aufrichtig willkommen sind und sich entsprechend für den Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft einsetzen. Verantwortungsbewusstsein für das Welterbe ist ein wertvolles Gut, das es aber ohne gegenseitiges Vertrauen nicht geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Ekkehart Schöll und Andreas Schlüter
Sprecher der Bürgerinitiative [Parktag]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s